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Einfühlungsmetaphorik und Abstraktionskonzepte in der Avantgarde

Das Projekt untersucht den Zusammenhang zwischen Einfühlungsmetaphern und Abstraktionskonzepten im Kontext der historischen Avantgarden. Es geht von der Hypothese aus, dass Idee und Praxis der ästhetischen Abstraktion in den 1910er Jahren nicht—wie unter dem Einfluss Wilhelm Worringers vielfach angenommen—im schlichten Kontrast zu den Einfühlungslehren des 19. Jahrhunderts (Vischer, Lipps, etc.) entwickelt werden, sondern gerade aus deren modifizierter Fortschreibung hervorgehen. Um den Nachweis dieser Kontinuität zu führen, wird sich die Untersuchung auf die Funktion einiger zentraler Tropen konzentrieren, die in der konzeptuellen (und historischen) Nahtstelle zwischen Einfühlung und Abstraktion wirksam sind. Anhand der Konjunktur von Beschreibungsfiguren wie „Schwingung“, „Rhythmus“ und „Resonanz“ soll aufgezeigt werden, dass sich die ästhetischen Programme der Avantgarde nicht nur aus dem gleichen Figuren-Reservoir wie die Einfühlungstheorien des 19. Jahrhunderts speisen, sondern zugleich—im Rahmen dieses metaphorischen Transfers—das Prinzip der Abstraktion als Einfühlungsprozess begründen.